HSA Instruktor & Dive Buddy Kurs 2017

25.05.2017–28.05.2017

Eindruck von Désirée - einer Teilnehmerin

Tauchen kann ja jeder. Aber was ist, wenn man nicht jeder ist, sondern besondere Bedürfnisse hat? Fünf Tauchlehrer haben sich die Frage gestellt. Bei HSA Schweiz haben sie Antworten auf ihre Fragen erhalten. In einen viertägigen Kurs haben sie gelernt, was es für Behinderungen gibt, wie sie sich aufs tauchen auswirken und was wichtig ist. Aber nicht nur Theorie wurde gebüffelt. Es ging auch in den Pool und ins Wasser. Dort wurde auch praktisch geübt. Sie mussten blind tauchen, als Para- oder Tetraplegiker, sowie sich auch um die jeweiligen Personen über und unter Wasser zu kümmern. Dies waren sehr lehrreiche Erfahrungen. Aber auch der Spass kam nicht zu kurz. Es wurde viel gelacht. Egal ob man mit dem Rollstuhl fast ins Wasser fiel, weil man ihn nicht beherrschte oder weil sich ein Tetraplegiker wehrte, weil man auf seine Hand sass. Schlussendlich war es für alle ein besonderes, spannendes und lehrreiches Erlebnis.

Désirée Schneider

Eindruck von Franzi - einer Teilnehmerin

Speziell für uns, fünf Tauchlehrer sind die HSA Course Direktoren Jim Buntin und Duncan Brown aus England eingeflogen. Über vier Tage haben wir im theoretischen und praktischen gelernt, was es heißt, mit unterschiedlichsten Behinderungen tauchen zu wollen und Kurse durchzuführen. Da nicht alle Kursteilnehmer Englisch so gut beherrschen, haben Werni und Nicole den Kurs auf Deutsch geleitet.

Blind tauchen? „Was macht es für einen Sinn, wenn man ohnehin nichts sieht?“, hat der eine oder andere gefragt. Oder: „das ist ja nichts Neues für uns, die in den Schweizer Seen mit Nullsicht tauchen“. Aber es ist doch etwas anderes: Ausgestattet mit einem Band, das auf die Maske gezogen wird und kein Licht durchdringen lässt, haben wir sowohl im Pool wie auch im See einmal das Gefühl bekommen, wie es ist, ohne sehen zu können, zu tauchen. Das beginnt natürlich bereits beim Equipment Aufbau, dem Hinführen zum Einstiegplatz und so weiter. Schnell wird klar, wie sehr man auf deutliche Beschreibungen des Tauchlehrers und seines Assistenten angewiesen ist. Interessant ist, dass das Gehör sofort sensibler wird und Stimmen lauter wahrgenommen werden. Die Stimmen des vollen Schwimmbads dröhnen mit einem Mal im Ohr. Und das tauchen? Für unter Wasser müssen zunächst Handzeichen mit Drücken der Hand und des Oberarmes ausgemacht werden. Man ist darauf angewiesen, dass jemand einen ständig führt und Körperkontakt hält. Da alle anderen Sinne gleich sensibler reagieren, habe ich auch die Schwerelosigkeit stärker wahrgenommen – was sich sehr gut angefühlt hat und die Taucherfahrung sogar verstärkt. Der Druck auf die Ohren ist das einzige selbst erkennbare Indiz für die Tiefe und das Jacket bediene ich nach dem Gehör, so wie mein Lehrer seines bedient. Auf jeden Fall ist auch für Blinde Tauchen eine super Erfahrung und ein passender Sport, denke ich danach.

In der Theorie wurden die verschiedenen Krankheitsbilder wie auch Abstufungen der Querschnittslähmungen besprochen. Die Kursplanung sowie der Kursablauf sind individualisiert und meist nicht in einem üblichen Takt wie bei PADI Kursen möglich. Die HSA Kurse werden dem gerecht, indem es ein abgestuftes Leistungsbezogenes Kurssystem gibt, dass die Taucher in A bis C Taucher abstuft und zertifiziert. Einzelne Übungen können mit unterschiedlich viel Hilfe durch einen Tauchlehrer ausgeführt werden und der Grad an Hilfebedarf entscheidet schlussendlich, ob der Schüler ein A, B oder C-Taucher wird.

Erst die Praxisübungen zeigen dann wirklich, was es alles zu beachten gibt, wenn zum Beispiel ein Rollstuhlfahrer tauchen möchte. Mit verbundenen Beinen und später verbundenen Beinen und Armen haben wir diese Situation im Rollenspiel simuliert. Spätestens im See mit schlechter Sicht und Kälte wurde klar, wie sehr man dem Tauchlehrer vertrauen muss, da man ihm im Wasser praktisch gänzlich ausgeliefert ist. Dieser muss zum Teil auch den Druckausgleich und das Ausblasen der Maske übernehmen.

Auffallend war, wie anstrengend es ist, nur mit den Armen voran zu kommen – und man kam nur sehr langsam voran, auch wenn man gepaddelt hat wie ein Weltmeister. Schon an der Oberfläche beginnen die Schwierigkeiten, denn ohne der Stabilisierung der Beine mit den Flossen und Rumpfmuskulatur dreht sich der Körper auf der Wasseroberfläche hin und her und die Beine treiben nach oben.

Kann man weder Beine noch Arme bewegen, kühlt man extrem schnell aus. Da die meisten die Kälte nicht fühlen können und zudem eine beeinträchtigte Thermoregulation haben, ist der Tauchlehrer mit seinem Assistenten auch dafür verantwortlich, zu bedenken, dass der Schüler nicht zu lange Kälte oder Hitze ausgesetzt wird. Die gesamte Logistik muss wesentlich besser durchdacht und geplant werden als bei einem normalen Kurs.

Insgesamt war der Kurs eine tolle Erfahrung, wir hatten viel Spaß zusammen und konnten viele Informationen und Denkanstöße mitnehmen. Letztendlich geht es jetzt darum, dann vor allem in der Praxis Erfahrungen zu sammeln.

Vielen Dank an Werni und Nicole für die gute Organisation und Umsetzung und vielen Dank an die Course Direktoren, die mit viel Engagement uns die Thematik näher gebracht haben sind und uns aus ihren langjährigen Erfahrungsschatz einiges mitgeben konnten.

Franziska Thiele

Die Anmeldefrist für dieses Event ist am 09.04.2017 abgelaufen.

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